Interview mit Astrid Stöfhas

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Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Bild als Kind?

Die ersten Bilder, die für Furore gesorgt haben waren meine Aktbilder, die ich mit drei/vier Jahren gemalt habe.

Was genau bewegt dich zu malen? 

Eine Inspiration existiert und ich möchte sie visualisieren. Im Idealfall bereitet mir das Ergebnis dann einfach Freude und anderen vielleicht auch. Input bestimmt den Output. Manchmal bin ich eine Malerin, die malt was sie verkauft und manchmal mache ich Kunst, die sich verkauft.

Was war Dein erstes Bild als “Künstlerin“?  

Da denke ich an das „Gesamtbild“ meiner ersten Ausstellung: Barbies, Pilze, Waffen und viele Farben.

Was ist Deine Message?

Messages verschicke ich per Handy. Über meine Bilder kann und soll jeder denken, was er will. Wenn jemand eine Arbeit von mir anschaut und dabei Appetit auf Spaghetti Bolognese bekommt, dann ist das auch okay. Vielleicht ist das so etwas wie meine Message: Mach dein Ding, und lass dir nicht von anderen Leuten reinquatschen, was du denken oder wie du fühlen sollst.

Warum dieser Stil? 

In der Kunst spiegelt sich doch immer ein Stück weit das eigene Leben wider.

Du bekommst ein Kind, und das verändert Dich. Du machst eine Krise durch, und die verändert Dich. Früher habe ich viel abstrakter gearbeitet, dann wurde es irgendwann sehr konkreter und realistisch.

 Wie verändert sich der Blick auf die Welt durch Deine Kunst?

Ich zeige gern den Bruch in einer Persönlichkeit, den kleinen Riss in der Fassade, das kleine Detail, das nicht ins Bild passt. Das Model, das nicht mehr in seinen Schuhen stehen kann, der Mafioso, der gerade verhaftet wird. Ich mag einfach gern Menschen, die nicht so stromlinienförmig sind, bei denen nicht alles perfekt zusammenpasst, die mich immer wieder durch neue Facetten überraschen. Diese Nuancen machen Persönlichkeiten für mich spannend, darauf möchte ich die Aufmerksamkeit lenken.

Trägst oder möchtest Du zu einer anderen Welt beitragen?

Ich bin kein politischer Mensch, und ich will mit meiner Kunst auch keine Leute missionieren. Aber ich freue mich natürlich, wenn Menschen durch meine Bilder zum Nachdenken angeregt werden. Einmal habe ich übrigens doch an einer politischen Aktion teilgenommen. Ein Museum in Neapel, das viele meiner Bilder zeigt, hat ein Bild von mir verbrannt. Es wollte darauf aufmerksam zu machen, dass kulturelle Institutionen in Italien zu wenig gefördert und deshalb ihrer Existenzmöglichkeit beraubt werden.

Wie würde diese Welt aussehen?

Auf jeden Fall sieht die Welt mit jedem Bild von mir, das irgendwo hängt, ein bisschen besser aus!

Wie würde die Welt durch deine Kunst-Brille in 100 Jahren aussehen?

Bunt. Sehr, sehr bunt.

Wie wird deine Kunst die Welt in 100 Jahren die Menschen beeinflusst haben?

Meine Kunst wird im neuen MoMa hier in Hamburg hängen, das gleich neben der Elbphilharmonie eröffnet. Das Museum und meine Werke sind bei Touristen noch beliebter als das Miniaturwunderland. Im Ernst: Momentan passieren weltweit so verrückte Dinge, dass ich mir kaum ausmalen kann, wie die Welt in 10 Jahren aussieht, geschweige denn, was meine Kunst dazu beitragen kann. Irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Leute wie Donald Trump ein Kunstmuseum besuchen.

Was könnte sich verändert haben?

Ich glaube ich bin froh, wenn sich Leute in 100 Jahren überhaupt noch für Kunst interessieren, weiterhin in Museen gehen, Bücher lesen und gute Filme schauen. Wenn es sich dabei auch um Werke von mir handelt, wäre ich ziemlich stolz.

Was sind deine nächsten Schritte? Wie willst du dich entwickeln?

Ich bin aktuell wieder auf der Suche nach einem neuen Atelier, um meiner Kunst noch mehr Raum in meinem Leben zu geben. Ich möchte auch gern weiter Reisen, und dabei neue Inspirationen sammeln.